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Mein erster Schultag

  • Autorenbild: Benjamin Liebsch
    Benjamin Liebsch
  • 21. Sept. 2018
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist Montagmorgen, viertel vor acht, ich betrete meinen neuen Klassenraum in der Berufsschule. Alle, die schon da sind, gucken mich an - ein kollektives: "Morgen!".

Ich überlege kurz, ob ich mich einfach mal hinters Pult stelle, so wie Leonardo DiCaprio in "Catch me if you can" und Lehrer spiele, sage dann aber doch einfach nur: "Entspannen. Schüler, nicht Lehrer." und setze mich auf einen Platz in der Mitte.

Am ersten Tag in der neuen Schule will ich bloß nicht mehr auffallen als nötig. Dann kommt der echte Lehrer ungefähr so alt wie ich, guckt mich an, stutzt irritiert und macht seine Vorbereitungen. Klappt perfekt mit dem Nichtauffallen.


Meine Hoffnung, dass ich nicht der einzige "Spezialfall" im Kurs bin, schwindet mit jedem offensichtlichen U-20er, die nun nach und nach reinkommen. Da sind sie, die Zweifel, ob das hier wirklich der richtige Platz für mich ist. Mit 34 in der Berufsschule, statt im Büro ein Eigenheim abzuarbeiten. Ich wische die Zweifel so gut es geht beiseite, denn irgendwie macht es mir auch Spaß. Die ganze Szenerie, sozusagen als Halb-Außenstehender, zu beobachten und mich zu erinnern, wie ich mit 17/18 drauf war.


Und es ist auch kein Kurs sondern eine Klasse. Das merke ich ziemlich schnell, als mein Altersgenosse am Pult sein Programm startet. Es geht den Vormittag über fast ausschließlich um Regeln, Fehlzeiten, Konsequenzen von Regelbrüchen und zu vielen Fehlzeiten. Ja, und natürlich um die Arbeitsmaterialien und die Ordnerorganisation. Jeder muss einen "dicken" Lernordner nach genausten Vorgaben anlegen, der sich im Laufe des Jahres füllen und regelmäßig kontrolliert wird. Wer mir noch mal erzählt, Bachelor/Masterstudiengänge seien verschult, dem empfehle ich nochmal die echte Schule.


Der Vormittag vergeht und wir werden in zwei Klassen à zwei Gruppen unterteilt. Immerhin sind wir insgesamt 42 Neue. Zum Abschluss bekommen wir noch eine Führung der Werkstattlehrer durch die heiligen Hallen. Endlich bekomme ich wieder ein Gefühl, warum ich tatsächlich hier bin. Die Hobelbänke, der Holzgeruch, die Werkstücke und die Maschinen hinterlassen bei mir einen guten Eindruck und ich freue mich auf den zweiten Tag, an dem es gleich in die Werkstatt zum praktischen Arbeiten gehen soll.



 
 
 

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